Presse

Lebenslinien: Vier musikalische Psychogramme

 

Von Sérgio Presta

 

Mainspitze,  4.12.15 (Online)

 

RÜSSELSHEIM - Modern, spannend, innovativ – die von Inge Besgen geschaffene Konzertreihe „Lebenslinien“ präsentierte sich auch bei ihrer neunten Ausgabe auf der Pychogramme des Stadttheaters Hinterbühne als eines der aufregendsten und faszinierendsten Kunstprojekte der Opelstadt.

 

Wie gewohnt hatte Besgen zuvor vier stadtbekannte Bürger nach ihrem Lebensweg befragt und die Interviews dem Psychoanalytiker Dr. Rainer Paul übergeben. Die von ihm erstellten Persönlichkeitsprofile wurden dann von ausgewählten Studenten Stefan Hakenbergs, Komponist und Gastdozent an der australischen Monash University, in Musik übersetzt.

 

Tonaler Nervenkrimi

 

Dem Darmstädter „Ensemble Phorminx“ – Alwyn Westbrooke (Geige), Thomas Löffler (Klarinetten) und Markus Stange (Klavier) – fiel die reizvolle Aufgabe zu, die Charakterstudien mit Leben zu erfüllen. So entstanden jeweils ganz eigene musikalische Psychogramme, die rund 65 Zuhörer in die Gefühlswelten der Interviewten eintauchen ließen.

Foto: Charlotte Martin

 Ideengeberin

Wie ein Charakter vertont wird

 

Von Charlotte Martin

FNP, 02.12.2015 (Online)

 

Inge Besgen ist federführende Kraft des Kunstprojekts „Lebenslinien“, in dem Menschen mittels Musik und Malerei eine spannende Metamorphose erfahren. „Lebenslinien 9“ interpretiert heute im Stadttheater erneut vier Charaktere musikalisch.

 

Rüsselsheim.

Es ist das Menschsein, das sie fasziniert. „Die Frage, wie einer geworden ist, was er ist oder die Frage, was einer hätte sein können. Das sind Gedanken, die mich antreiben, weil sie ans Eigentliche rühren“, sagt Inge Besgen.

Wir besuchen die Künstlerin in ihrem Haus, wo großformatige Bilder ihrer Gravuren, ihrer Hieroglyphen, ihrer rhythmisierten Lautmalerei von der Reduktion aufs Wesentliche künden. Inge Besgen sagt: „Ein Mensch drückt durch seinen Lebensweg seinen Charakter aus. Meine Bilder entstehen im Kopf, entstehen aus Eindrücken – wie einer geht, steht, gestikuliert.“ Wir sind keine fünf Minuten dort und schon mittendrin in der Kunst dieser Grande Dame, deren Gesicht davon kündet, dass sie weiß, wovon sie spricht.

 

Kein leichter Weg

Sie sagt resolut: „Ich wollte immer gerade gehen. Deshalb habe ich aufgehört, auf andere zu hören.“ Inge Besgen betont: „Wenn einer heute zu mir sagt, dass ich Schuld an diesem oder jenem hätte, nehme ich das zur Kenntnis. Aber es ficht mich nicht an.“ Zu werden, was sie ist, war kein leichter Weg. „Ich habe es mit eisernem Willen geschafft.“

Wenn Inge Besgen über ihre Kunst spricht, spricht sie auch von sich. Und vom Interesse für Lebenswege. „Aufrechte Menschen faszinieren mich.“ Zwischendrin schenkt sie Kaffee ein. „Es geht mir gut. Es war alles schon viel schlimmer.“

Es ist ihre künstlerische Arbeit, die sie befeuert, und so kommen wir auch aufs aktuelle Thema: „Lebenslinien 9“ wird derzeit produziert, eine Frage nach dem Eigentlichen eines jeden Menschen, der Inge Besgen seit 1994 nachspürt. „Daraus ist eine Metamorphose von Worten in Wortanalyse, in Musik und in bildnerischem Schaffen entstanden“, fasst sie zusammen.

Acht Mal wurde das Konzept, dessen federführende Kraft und Ideengeberin Inge Besgen ist, bereits umgesetzt und der Öffentlichkeit hör- und sichtbar gemacht. „Ich wähle vier Menschen aus, die mir in unterschiedlichen Zusammenhängen begegnet sind. Sie erzählen mir, wie sie wurden, was sie sind. Was sie denken, was sie bewegt und was erschüttert oder beglückt“, führt Besgen – übrigens eine famose Zuhörerin und Beobachterin – aus. Kein Lidschlag, der ihr entginge.

 

Kern herausstreichen

Teils waren bei ihren Lebenslinien-Projekten namhafte Personen involviert – der Altphilologe Ernst Erich Metzner oder Beate Kemfert, Kuratorin der Opelvillen, der Schauspieler Walter Renneisen oder der Rüsselsheimer Ex-Bürgermeister Jo Dreiseitel. Besgen: „Der Psychoanalytiker Rainer Paul, mit dem ich in mehreren Zusammenhängen kooperiere, entwirft anhand der Gesprächsprotokolle unter Beachtung des Inhalts, der Dynamik und sprachlichen Eigentümlichkeit eine Konversationsanalyse. Er reinigt die Worte vom Schleier, streicht den Kern heraus“, erläutert Inge Besgen das Verfahren. Erstes Ziel ist die Vertonung der Charaktere. „In Zusammenarbeit mit Musikern entstehen anhand der Analysen Kompositionen, deren Titel jeweils ein Zitat des Interviews ist“, sagt sie.

Ebenso begeisternd wie irritierend waren auf der Studiobühne 2014 die aus Geräuschen, Brüchen, Atemsequenzen und glasklaren Tönen kreierten Werke von Komponist Felix Leuschner und Sängerin Julia Mihaly. Was Besgen antreibt, ist jeweils die Freisetzung des Menschen in Kunst. „Es folgt eine Zeit, in der ich in den Kompositionen lebe, sie quasi aufsauge. Ich mache Skizzen der Rhythmisierung, bevor mein Bild des vertonten Menschen entsteht“, sagt Besgen.

Bei „Lebenslinien 9“ zeichnen diesmal Musikstudenten der Monash Universität Melbourne – Schüler des Komponisten Stefan Hakenberg – verantwortlich. „Ich kenne die Musiken niemals im Voraus“, sagt Inge Besgen. Schweigt jetzt, als horche sie sinnierend die Stille aus.

Die „Lebenslinien 9“ sind am morgigen Mittwoch, 2. Dezember, von 20 Uhr an auf der Studiobühne des Stadttheaters Rüsselsheim zu sehen.

 

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Inge Besgens „Description of music“ im Bellevuesaal

 

Von Angelika Wende

Wiesbadener Kurier, 21.01.2015

 

WIESBADEN - Der Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung sagte einmal: „Das einzig lebenswerte Abenteuer kann für den modernen Menschen nur noch innen zu finden sein.“ Innen, in den unergründlichen Seelenland-schaften ihrer Mitmenschen, findet die Künstlerin Inge Besgen die lebendige Essenz, die in ihrer Kunst Gestalt annimmt.

 

 

„Lebenslinien“ heißt das Projekt, das die Rüsselsheimerin seit acht Jahren zu Werken inspiriert, die über das hinausgehen, was das normale Sehen an Deutungsmöglichkeiten vermag. Inge Besgens tiefes Interesse an Biografien manifestiert sich in einer sensiblen Porträtarbeit menschlicher Charaktere und ihrer psychologischen Strukturen, gleicht einer Suche nach dem roten Faden eines Lebens. Behutsam und analytisch verfolgt diese Künstlerin die Linie, die zum Wesenskern ihrer Protagonisten führt. Unter dem Titel „Description of music“ sind Arbeiten aus dem Projekt nun bis zum 8. Februar im Kunstverein Bellevuesaal zu sehen.

 

Auf Gesprächsgrundlage

 

Inge Besgens Arbeiten basieren auf Gesprächen, die sie mit Rüsselsheimer Bürgern führt. Den Gesprächen folgt die Analyse durch den Wiesbadener Psychoanalytiker Dr. Rainer Paul. Doch nicht nur die Worte, auch der Klang der Stimme ist für seine Interpretation von Bedeutung. Stimme, Klang, Sprechduktus und Sprechmuster sind Ausdrucksmittel der Persönlichkeit, die viel über den Menschen sagen. Stimme und Sprache sind der Klang der Seele und dieser hallt wider in den musikalisch-interpretatorischen Konzepten der Komponisten und Komponistinnen, die am Werk Besgens teilhaben und schließlich den weiteren Impuls für die malerische Umsetzung geben. Inge Besgen führt den Betrachter in das Abenteuer Seele und macht Identitätssuche zum künstlerischen Konzept. Ihre Werkzeuge: Hören und Sehen, Gesehenes und Gehörtes fassen und fühlen, um es begreiflich und verständlich zu machen, mit der Intention, das Innerste ins Außen zu tragen, um, selbst berührt, Andere zu berühren, Empathie zu wecken für das Leben der anderen.

 

Großformatige Zeichnungen

 

In großformatigen Tuschezeichnungen und Collagen fließt zusammen, was sich aus dem Einzelnen ergibt, formiert sich mit der Linie als Grundstruktur spontan und mit hoher Energie aufgeladen ins Schriftliche und Zeichenhafte und schafft schließlich ein Ganzes, eine Kunstschrift, die vom Prozesshaften und innerer Bewegung lebt. Besgens Kunst ist Kunst, die aus der Berührung einer menschlichen Seele mit anderen Seelen zu Zeichen wird. Zeichen von psychischen Strukturen, inneren Programmen, tief sitzenden Überzeugungen und Glaubensmustern, die Menschen so denken, fühlen und handeln lassen, wie sie es tun. Eine großartige Kunst, die sich dem erschließt, der die Zeichen zu deuten vermag.

 

Felix Leuschner

Lebenslinien 8“ – Intermediales Kunstwerk.

 

Donnerstag, 27. November, 20 Uhr.

Stadttheater – Hinterbühne.

 

Mitwirkende: Inge Besgen (Konzept), Dr. Rainer Paul (Psychoanalyse), Felix Leuschner, Julia Mihály (Musik).

 

 Kultur vor Ort vom 31.10.2014

Main-Spitze / Stephan A. Dudek (Link)

 Kultur vor Ort  vom 31.10.2014

Das Gespräch führte Stephan A. Dudek (PDF)

Wiesbadener Kurier vom 21.01.2015

Inge Besgens „Description of music“ im Bellevuesaal / von Angelika Wende  (PDF)

 

Wiesbadener Kurier (Link)

 

Foto: Vollformat/Volker Dziemballa

Lebenslinien 7

vom 06.12.2013

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